„Wie sprechen Sie? Worte sind wichtig!“ sagte, oder besser gesagt schrie, Michele Apicella eine fassungslose Interviewerin (Mariella Valentini) in dem Film Palombella rossa an. Und er hatte recht. Worte sind tatsächlich wichtig und bedeutungsschwanger. Ihre Verwendung kann eine Quelle des Verständnisses, von Missverständnissen oder sogar eine regelrechte Waffe zu Manipulationszwecken sein.
Dies wird vor allem in der Kommunikationssprache deutlich, die im Laufe der Jahre absichtlich verändert wurde. Heute stehen überall Begriffe wie „Resilienz“ oder „Nachhaltigkeit“ (und die dazugehörigen Adjektive, die auf alles Mögliche anwendbar sind) an der Tagesordnung. Die Sache ist nicht unwichtig und wurde künstlich herbeigeführt. Resilienz ist das genaue Gegenteil von Widerstand (resistenza). Früher verwendete man diesen Begriff äußerst selten und nur, um das typische Merkmal der Flexibilität im Gegensatz zur Starrheit hervorzuheben. Resilient ist ein Schilfrohr angesichts der Windstärke eines Hurrikans. Das Schilfrohr biegt sich und leistet der ungleichen Kraft der Windböen, die mit extrem hoher Geschwindigkeit rasen, keinen „Widerstand“, eben um nicht zu brechen und davonzugehen. Aber hier geht es um ein Konzept zwischen zwei Entitäten von unvergleichlicher Größe: das kleine und schwache Schilfrohr einerseits, die enorme Kraft und Geschwindigkeit des Windes andererseits. Das ist die wahre Bedeutung, die diesem Begriff beizumessen ist. Heute hingegen wurde er absichtlich verbreitet, um auszudrücken, dass jeder angesichts von Schwierigkeiten oder Katastrophen, auf die er stoßen mag, gerade aufgrund dieser Eigenschaft als Sieger hervorgehen kann. Besser, man stellt sich tot, ohne zu kämpfen, wie es einige Tiere tun, wenn sie von viel stärkeren Rivalen angegriffen werden. Man nutzt also diese Art von „flüssiger“ Sprache, um ein Konzept auszudrücken, das dem Begriff eigentlich nicht eigen ist, nämlich den Widerstand gegen ein katastrophales äußeres Ereignis. Man muss „flüssig“ (fluid) sein, um zu widerstehen. Auch in der Körperlichkeit. Von hier ist es nur ein kurzer Schritt zum „gender fluid“, einem Wesen ohne genaue Identität, weder Frau noch Mann noch homosexuell (oder Zwitter, um noch ein weiteres, seit Jahrtausenden bekanntes Geschlecht einzubeziehen). Die Fluidität, also die Nicht-Identität schlechthin, ist zum Synonym für das ideale Modell der modernen Gesellschaft geworden, und auch für dieses Modell wird eine eigene Sprache geschaffen (siehe die Verwendung des sogenannten „Schwa“, des umgedrehten „e“ „ә“). Wenn man also „resilient“ ist, leistet man keinen „Widerstand“ gegen das „System“.
Wie ich schon sagte, ein weiterer Leitbegriff der Zeiten, in denen wir leben, ist „Nachhaltigkeit“ (sostenibilità). Wenn wir im Treccani-Wörterbuch (über dessen Entwicklung im Laufe der Zeit man separat schreiben müsste, aber nicht hier) unter diesem Stichwort nachlesen, finden wir: „sostenìbile Adj. [abgeleitet von sostenere]. – 1. a. Was man aufrechterhalten/stützen kann: eine schwer zu stützende (sostenibile) These. b. Was getragen/bewältigt werden kann: eine tragbare Ausgabe; diese Situation ist nicht mehr tragbar (sostenibile). 2. im weiteren Sinne. Vereinbar mit den Erfordernissen des Schutzes der Umweltressourcen: nachhaltige Energie; nachhaltige Entwicklung, ein Ausdruck, der eine technologische und industrielle Entwicklungsstrategie bezeichnet, die bei der Ausbeutung von Ressourcen und bei Produktionstechniken die Umweltbedingungen und -verträglichkeiten berücksichtigt.“ Was also einst nur eine „erweiterte“ Bedeutung der ursprünglichen, aus dem Lateinischen abgeleiteten (sub und tenere, also von unten halten, stützen, unterstützen) war, ist heutzutage zur primären Bedeutung des Begriffs geworden. Oder besser gesagt, man hat sie absichtlich dazu gemacht. Alles muss „green“, grün, sauber sein. Angefangen bei der Energie, auch derjenigen, die Sie nutzen, um sich fortzubewegen.
Das soziale Umfeld
Aber das ist nicht genug. Selbst Ihr Handeln im sozialen Umfeld muss „nachhaltig“ sein. Kaufen Sie ein Flugticket? Sie haben schuldhaft zum CO2-Ausstoß in der Atmosphäre beigetragen und müssen sich daher an den Gedanken gewöhnen, dass Ihnen dies in naher Zukunft nicht mehr erlaubt sein wird, ohne einen Preis dafür zu zahlen, sowohl in Geld als auch in Form von Bewegungsfreiheit. All dies geschieht natürlich, ohne dass jemals jemand die Prinzipien erklärt, nach denen Sie für diese „Missetat“ schuldig sein sollen (wie Sie das in der Praxis eigentlich angestellt haben), noch die Tatsache, dass das „natürliche“ Kohlendioxid in der Atmosphäre das aus anthropogenen Gründen erzeugte bei weitem übersteigt und obendrein für die so oft (und oft unpassend und ahnungslos) zitierte Umwelt notwendig ist. Beispiele gibt es zuhauf: eines stellvertretend für alle sind die Bankgeschäfte, die Sie online tätigen. Die Nutzung Ihres PCs oder Smartphones für diese Operationen (eine Überweisung, ein Kontoauszug usw.) führt zu einer bestimmten Menge an CO2-Emissionen, die Ihnen zuzuschreiben sind, und dafür werden Sie bald „bezahlen“ müssen (immer im oben genannten Sinne).
Worte sind also wichtig, und wie wir gesehen haben, werden sie nicht zufällig verwendet. Die Sprache wird in der Gesellschaft langsam verändert, damit man sich langsam an sie gewöhnt (Overton-Fenster), angefangen bei den Schulbüchern. Letztere sind mittlerweile zu Zweigstellen des „Systems“ verkommen und dienen nur noch dazu, den neuen Generationen (selbst jenen, die zu klein sind, um durch die allgegenwärtigen Smartphones indoktriniert zu werden) diese neue Art, die Realität „zu lesen“, durch Worte und (auch visuelle) Beispiele zu vermitteln.
Die Veränderung der Sprache findet auch auf institutioneller Ebene statt. Das war während der Zeit der „Pandemie“ gut zu beobachten. Die getroffenen Entscheidungen sollten nicht auf die spezifische Verantwortung (auch wenn diese auf lokaler Ebene sehr offensichtlich war) des einzelnen Individuums oder des jeweiligen Regierenden zurückfallen, sondern auf eine durch den Lauf der Dinge bedingte Notwendigkeit. Daher die massive Verwendung des unpersönlichen Pronomens: „man hat entschieden“, „es wird notwendig“, „es ist erlaubt“ usw. Wie Martin Heidegger in „Sein und Zeit“ sagte, dient die Verwendung des unpersönlichen „Man“ in der Kommunikation, um Entscheidungen oder Zwänge auszudrücken, die als unausweichlich empfunden werden sollen, dazu, den Menschen seiner charakteristischen Entwurfshaftigkeit zu berauben und ihn in Richtung Massenabfertigung und Gleichmacherei zu drängen, indem ihm suggeriert wird, er habe keine Wahlfreiheit. Die erste Form des Kampfes um die Wahlfreiheit beginnt nämlich schon bei der Sprache, gerade weil willkürliche Entscheidungen einem als bereits getroffen präsentiert werden, und demjenigen, der nicht zustimmt, bleibt nur der Ungehorsam.
All dies würde bereits ausreichen, um die Schwere der Situation zu begreifen und zu verstehen, was uns in naher Zukunft, oder vielmehr in unserer Gegenwart, erwartet. Es gibt jedoch nicht nur das.
ChatGPT
Das „System“ nutzt die Technologie, die „Technik“, wie Galimberti gesagt hätte, als ihm (es tut mir leid, das sagen zu müssen) noch nicht der Verstand weichgekocht war, um den Menschen zu unterwerfen, allen voran die Jugend. Und welches bessere Werkzeug gäbe es dafür als die Künstliche Intelligenz? ChatGPT als Quelle des Wissens: einfach, schnell und vor allem gratis! Die Jugendlichen (und nicht nur sie) nutzen es mittlerweile täglich, auch um die ihnen von den Lehrern aufgegebenen Hausaufgaben zu erledigen. Die Maschine (die durch Algorithmen entsprechend instruiert wurde) sagt dir genau das, was du durch Studium und Opferbereitschaft selbst herausfinden oder tun solltest. Das Ergebnis ist ein Konzept, das nicht das eigene desjenigen ist, der es hätte erarbeiten sollen, sondern etwas, das wie ein Papagei nachgeplappert wird, ohne jegliche kritische Vermittlung des aufnehmenden Subjekts. Die Maschine denkt für uns und suggeriert uns, was wir sagen und wie wir uns verhalten sollen. Die beste aller möglichen Welten – für das System.
Lösungen? Ehrlich gesagt, sehe ich keine am Horizont. Wer ein Bewusstsein für das hat, was geschieht, kann die Schläge, die ringsum ausgeteilt werden, mehr oder weniger gut abwehren. Für alle anderen, da sie bis ins Mark darin versunken sind, sehe ich keine Lösungen, um sie „aufzuwecken“, wobei feststeht, dass der „Dialog“ nutzlos ist, geschweige denn, sie von etwas anderem zu überzeugen als dem, was sie täglich in sich aufsaugen. Der Kampf ist ungleich, ich persönlich passe. Alles Gute für alle! Für die Zukunft und für das neue Jahr.
P.S.: Nach dieser mehr oder weniger langen Abhandlung hätte ich gerne über unser geliebtes Land, Italialand, und dessen viele „Massenablenkungswaffen“ der letzten Zeit gesprochen (vom Fall Cecchettin und dem dazugehörigen Patriarchat über den ESM und Meloni bis hin zu Ferragni). Leider, oder vielleicht zum Glück für Sie, habe ich mich bei diesem Plausch schon zu lange aufgehalten. Über „In den Kaninchenbau“ (so hatte ich den Artikel betitelt) werde ich (vielleicht) ein andermal sprechen.