Ich möchte eine Lanze für die jüngeren Generationen brechen. Insbesondere beziehe ich mich dabei weniger auf die der Zwanzigjährigen oder noch Jüngeren, sondern vielmehr auf die der 30- bis 40-Jährigen, die sogenannten Millennials. Das ist, das schicke ich voraus, eher ungewöhnlich für mich, da ich sie für eine unvorbereitete Generation halte, die oft ungebildet ist – auch wenn sie den Anschein des Gegenteils erwecken will – und sehr anmaßend auftritt. Erschwerend kommt für diese Kritik hinzu, dass ein Großteil derjenigen, die ihr angehören, heute unsere „Führungsklasse“ auf allen Ebenen und in allen Bereichen bildet. Nachdem das gesagt ist, erkläre ich den Grund für diesen meinen scheinbaren Sinneswandel. In Wirklichkeit sind diese Generationen diejenigen, die um den Fall der Berliner Mauer herum geboren wurden, die mit dem Mythos des vereinten Europas und des „ewigen Friedens“ aufgewachsen sind (wie auch wir einst geglaubt hatten). Im Gegensatz zu den vor dieser Zeit Geborenen wurden sie jedoch an Schulen und Universitäten erzogen, die eigens für sie konzipiert wurden, mit einem neuen Bildungssystem, das Hand in Hand mit dem neo-liberalen Wirtschaftsdenken einherging. Und genau Letzteres, der Neoliberalismus, hat ein gigantisches Werk der Mystifizierung der Realität zum Ge- und Verbrauch der neuen Generationen auf die Beine gestellt, indem er gewaltige Mittel einsetzte und die zuvor existierende Realität systematisch dekonstruierte – so sehr, dass sie sogar denjenigen fremd gemacht wurde, die in den vergangenen Jahren dazu beigetragen hatten, sie zu erschaffen oder zumindest zu leben. Aber der Reihe nach, um zu verstehen, wie das im Laufe der Zeit geschehen ist.
Die Schule
Dieses Werk der Dekonstruktion nahm seinen Ausgang beim Bildungssystem, der öffentlichen Schule, das systematisch zerstört wurde, sowohl was die Mittel als auch was die Lehrmethoden betrifft. Es wurde ständig eine Kampagne geführt, die darauf abzielte, die Rolle des öffentlichen Sektors zu verunglimpfen (wie auch bei den übrigen staatlichen Tätigkeiten) und über gefällige oder schlichtweg oberflächliche Medien die Botschaft zu verbreiten, das Private sei besser, effizienter und „zeitgemäßer“. Dies geschah sowohl im Bereich der Schule als auch der Universität. An letzterer gab es eine schwache Protestbewegung namens „La Pantera“ (die dann, wie üblich auf „italienische Art“, völlig im Sande verlief), die sich gegen die Reformen richtete, die der damalige Minister Antonio Ruberti einführen wollte (Dezember 1989). Diese Reformen sahen unter anderem die private Finanzierung der Forschung und den Einzug von Unternehmen in die Verwaltungsräte der Universitäten vor. Praktisch der Beginn der Privatisierung der Universitäten. Abgesehen von einigen Änderungsanträgen zum Gesetz, die Ruberti zugestand, nahm die Privatisierung ihren Lauf. Den gleichen Prozess machten die Schulen durch. Vor allem mit der vom Minister Luigi Berlinguer gewollten Reform (1996-98), die durch spätere Änderungen anderer Regierungen die Schule zu einer Filiale der Unternehmen degradierte. Der Prozess der „Vermarktlichung“ wurde von Pietro Ratto, insbesondere in diesem Interview, gut erklärt. Gleichzeitig legte man Hand an die Lehrpläne und versuchte mehrfach, das Studium von Latein, Griechisch und Philosophie abzuschaffen, was glücklicherweise nicht gelang. Natürlich ist es kein Zufall, dass man dies wiederholt versuchte, denn es sind Fächer, die zum Denken und zur Problematisierung des Bestehenden anregen – etwas, das die Neue Weltordnung aus offensichtlichen Gründen nicht will. Stattdessen wurden beim Geschichtsunterricht erhebliche Kürzungen vorgenommen, denn man muss die Vergangenheit „vergessen“, um in einer ewigen Gegenwart ohne Gedächtnis zu leben (außer für „Faschismen“ und verschiedene „-ismen“, die frei erfunden wurden, weil sie nützlich sind, um diejenigen zu stigmatisieren, die nicht so denken, wie es der Mainstream verlangt). Nach und nach wurden die Lehrpläne geändert, und die Schulen sowie die Universitäten wurden zunehmend in Unternehmen verwandelt, die ihre Bilanzen ausgleichen müssen. Schulleiter wurden zu Buchhaltern, und die staatlichen Mittel variieren je nach Anzahl der Schüler, die die Einrichtungen besuchen. Aus diesem Grund hat sich in den Schulen allmählich die Unsitte breitgemacht, nicht mehr so oft sitzen zu lassen, um den drohenden Schülerschwund zu vermeiden. Es kam sogar zu regelrechten Fällen von Mobbing und Schikane gegenüber Lehrkräften, sowohl seitens der Schüler als auch deren Eltern. Die Schule, einst ein Ort der Bildung (auch wenn sie in vielerlei Hinsicht kritikwürdig war), wurde kontinuierlich ihrer Inhalte und ihrer erzieherischen Autorität beraubt, während man ihr gleichzeitig jede erdenkliche Schuld am Verhalten der Schüler zuschob. Die Universität, in die private Akteure massiv eingedrungen sind, steht dem in nichts nach. Die Forschung wird gedemütigt, und es wurden zulassungsbeschränkte Fakultäten (Numerus clausus) eingerichtet, wo der Zugang einst frei war. Die Lehrpläne wurden vereinfacht – teils, weil nur noch die gewünschten erzieherischen Botschaften vermittelt werden sollen (es gibt äußerst wertvolle Lehrbücher, die absichtlich durch neu geschriebene ersetzt wurden), teils, weil die „neuen“ Studenten oft nicht mehr in der Lage sind, die Texte zu verstehen, die einst für die Lehrpläne der Dozenten der „alten Garde“ verwendet wurden. Davon konnte ich mich bereits am Ende meines Universitätsstudiums selbst überzeugen. Die Universitäten haben, als die sogenannten „Barone“ in den Ruhestand gingen (die das zwar gewesen sein mögen, aber oft dennoch Dozenten von Format und Qualität waren), den Lehrkörper durch deren Kofferträger ersetzt, oder durch „neue“ Leute, die im Fahrwasser der neuen herrschenden Ideologie ausgebildet wurden. Natürlich kann man das nicht zu hundert Prozent verallgemeinern, aber zu einem großen Teil ist das zweifellos zutreffend. Sehr kurz gefasst ist dies die schulische Bildung, die die „Jungen“ genossen haben, also diejenigen, die mit der Idee aufgewachsen sind, dass Europa eine Möglichkeit sei (als ob es diese vorher nicht gegeben hätte), zu reisen und sich mit speziellen Programmen wie Erasmus zu bilden – letzteres ein wahres, unantastbares Totem für viele von ihnen. Ich habe persönlich eine Frau (von etwas über dreißig Jahren) kennengelernt, die ihren Sohn Erasmus (sic.) nannte und die das Mädchen, das sie in ihrem Bauch trug, Europa nennen wollte (zumindest sagte sie mir das). Der Grund war, dass sie ihren Mann genau durch dieses ach so schöne Universitäts-Austauschprogramm kennengelernt hatte. Das scheint mir ein mehr als triftiger Grund zu sein, um zwei Kindern das Leben zu ruinieren. Ein bisschen so, wie diejenigen, die in der Vergangenheit ihre Kinder „Palmiro“, „Bettino“ oder „Benito“ nannten.
Europa Europa, alle auf dem Weg zur Sonne der Zukunft
Die „etwas Älteren“ (diversamente giovani), so wie meine Wenigkeit, werden sich mit ziemlicher Sicherheit an ein schönes Fernsehprogramm auf Rai Uno erinnern, das von Michele Guardì, Giorgio Calabrese und Mario Di Tondo erdacht und von dem Duo Frizzi-Gardini moderiert wurde und „Europa Europa“ hieß (1988-1990, welch ein Zufall). Wem gefiel nicht die Idee der zumindest geistigen und kulturellen Vereinigung der europäischen Völker? Mir gefiel sie gewiss, und wie mir gefiel sie auch unzähligen anderen meiner Generation und auch den vorherigen. Schade nur, dass es sich um eine Illusion handelte und wir es nicht merkten. Auch mit Sendungen wie der soeben erwähnten wurde der Masse nach und nach die Idee eingepflanzt, Europa sei das gelobte Land. Niemand von uns, oder zumindest die meisten von uns, konnte ahnen, dass es in Wirklichkeit ein sorgfältig zubereitetes, vergiftetes Gericht war, das nur einen einzigen Gang vorsah: den wirtschaftlichen, durch den die Völker regiert werden sollten. Der auserkorene Koch? Deutschland, of course.
Bürgerrechte im Austausch für soziale Rechte
Der Mainstream, ob im Fernsehen, in den Zeitungen oder im Internet, hat die öffentliche Meinung jahrelang mit Botschaften bombardiert, die einerseits darauf abzielten, bestimmte Personengruppen wie Homosexuelle, die LGBT-Community und all jene, die von der Gesellschaft ungerechterweise gedemütigt und ausgegrenzt worden waren, salonfähig zu machen. Andererseits hat er die fortschreitende Gewährung von Bürgerrechten zugunsten dieser Gruppen nachdrücklich befürwortet, was in den allermeisten Fällen völlig gerechtfertigt ist. Man hat sich jedoch wohlweislich davor gehütet, hervorzuheben, dass all dies im Austausch für die sogenannten sozialen Rechte erlangt wurde, die mit jahrelangen harten Kämpfen und Auseinandersetzungen von den vorherigen Generationen errungen worden waren. In der Praxis wurde einerseits die Botschaft vermittelt, dass die Abschaffung beispielsweise des Artikels 18 des Arbeitnehmerstatuts (Statuto dei lavoratori) etwas Unausweichliches sei, da die Entwicklung der Wirtschaft in der heutigen Zeit einen „schlanken“ und „mobilen“ Arbeitsmarkt erfordere. Andererseits wurde, ebenfalls nur als Beispiel, gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht auf eine reguläre Eheschließung eingeräumt. Als ob dieses letztere, unantastbare Bürgerrecht in irgendeiner Weise ein Ausgleich für den auf sozialer Ebene begangenen Diebstahl wäre. All dies wurde geschickt orchestriert, mit Hilfe einer politischen Klasse, die im besten Fall unfähig, im schlimmsten Fall mitschuldig ist. Nun, man hat die jugendlichen Massen mobilisiert, um dieser Stimme Nachdruck zu verleihen, geschickt über Internetplattformen gesteuert, mit Solidaritätsbekundungen und Unterstützung für diese Zwecke, genau wie es auf internationaler Ebene bei den organisierten Demonstrationen zugunsten des „Arabischen Frühlings“ oder der „Orangen Revolution“ geschehen war. Schade, dass sich die jungen Leute nicht ebenso für den Erhalt der sozialen Rechte eingesetzt haben, die ihnen in den letzten Jahren kontinuierlich entzogen wurden, was ihre eigene Generation zu einer Masse von lebenslang Arbeitslosen und Prekären gemacht hat.
Greta, die „Gretins“, ohne zu vergessen… die „Sardinen“
Eine zerbrechliche und (daher) wankelmütige und leicht manipulierbare Generation. Dies ist das Ergebnis der kontinuierlichen Arbeit vieler internationaler Organisationen an den Jüngsten, indem sie über die sozialen Medien, die von uns allen mittlerweile umfassend genutzt werden, stetig Druck auf deren Gewissen ausüben. Es entstanden Umweltbewegungen wie jene der siebzehnjährigen Schwedin Greta Thunberg, einem Mädchen, das plötzlich ins internationale Rampenlicht rückte – genau dank der gewaltigen Werbetrommel, die die Medien auf der ganzen Welt für ihre Klimaproteste rührten, welche anfänglich vor dem Riksdag in Stockholm stattfanden. Ab Mitte August 2018 begann sie einen Schulstreik bis zu den schwedischen Wahlen im September, danach wurde daraus ein fester Termin an jedem Freitag, und so rief sie die Bewegung Fridays for Future ins Leben, der sich vor allem große Massen von Jugendlichen anzuschließen begannen. Letztere wurden zweifellos von guten Absichten geleitet (wer könnte schon sagen, dass Klimaschutz nicht wichtig sei?), aber war das „Phänomen Greta“ wirklich nur das Engagement eines unbekannten kleinen Mädchens, das plötzlich zu einem regelrechten Star wurde, der mit allem Pomp von Staatsoberhäuptern und religiösen Autoritäten empfangen wurde? Nur ein Naivling oder leicht manipulierbare Geister könnten das glauben. Dass hinter einem solchen Phänomen die große internationale Industrie stand, die „grüne“ Technologien herstellt, ist ziemlich intuitiv, auch wenn es nicht direkt beweisbar ist. Jetzt, dank des weltweiten erzwungenen Stillstands von Produktionsaktivitäten und Verkehrsmitteln, werden Sie sehen, dass man wegen des daraus resultierenden Rückgangs der Schadstoffpartikel in der Luft sagen wird: „Greta hatte recht“. Man wird sagen, dass alle Produktionstechnologien auf „Green“ umgestellt werden müssen, ohne jedoch zu erwähnen, dass diese oft die Umwelt noch mehr belasten als die traditionellen, wie im Fall der benötigten Energie und dem Problem des Mülls, der durch den Entsorgungsprozess der Batterien für Elektroautos entsteht. Wie dem auch sei, auf der emotionalen Welle der Botschaft der jungen Schwedin erlebten jene politischen Parteien, die sich auf die Idee einer umweltverträglichen Gesellschaft berufen, einen gewaltigen Aufschwung. Die Grünen, insbesondere in Deutschland, sind ein leuchtendes Beispiel dafür. Bei den Bundestagswahlen 2017 hatten sie gerade einmal 8,9 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Nur zwei Jahre später, bei den Europawahlen, sprangen sie auf 20,5 Prozent und verdrängten die älteste Sozialdemokratie der Welt, die von der SPD vertreten wird (die auf 15,8 Prozent abstürzte), souverän vom zweiten Platz und nahmen faktisch deren Platz in den Präferenzen der Deutschen in einer hypothetischen neuen Regierungskoalition ein. Und raten Sie mal, wer mehrheitlich für die grüne Partei schlechthin gestimmt hat? Bien sûr, die jungen Leute in der Altersgruppe zwischen 25 und 40 Jahren. Was für eine große Überraschung!
Berlin, du bist so wunderbar
Besondere Aufmerksamkeit in Bezug auf das deutsche Jugendphänomen sollte der Stadt Berlin gewidmet werden, die in dieser Hinsicht ein regelrechtes soziales Experiment darstellt (ebenso wie Italien meiner Meinung nach ein Experiment für Massenphänomene ist, die auf emotionalen, sehr instinktiven und keineswegs rationalen Faktoren beruhen). Die deutsche Hauptstadt ist nämlich (nicht zufällig) ein Magnet für junge Menschen aus aller Welt. Um ehrlich zu sein, ist sie das schon lange und aus zwei sehr genauen historischen Gründen. Der erste ist, dass Berlin seit dem späten 19. Jahrhundert immer als „freizügige“ Stadt mit lockeren Sitten galt. Der zweite ist, dass die Mauer im Westteil einen ganz besonderen Mikrokosmos schuf. Angesichts der Isolation innerhalb der ehemaligen DDR wollten nur junge Leute und Aussteiger in der Enklave leben. Dies im Austausch für erhebliche wirtschaftliche Vorteile und einen großen Freiheitsspielraum, der der impliziten Komplizenschaft der Regierungen der BRD (Bundesrepublik Deutschland) zu verdanken war, die das nicht unwesentliche Problem hatten, eine Stadt „lebendig“ zu erhalten, in die kein Deutscher ziehen wollte. Daher drückte man angesichts offensichtlicher „Anomalien“ im Rahmen der staatlichen Vorschriften ein Auge – oder auch beide – zu und fütterte West-Berlin genau für diesen „sozialen“ Zweck mit einem wahren Strom von Geld und Drogen. Kurzum, Freiheit in Hülle und Fülle, in jeder Hinsicht, was „Freigeister“ aus allen Teilen der Welt anzog. All dies schuf den „Mythos“ Berlin, den die willfährigen Medien auch nach dem Fall der Mauer weiter verstärkten, als die Dinge anfingen, sich in der Realität nicht unwesentlich zu ändern (außer bei den Drogen). Aber das reicht. Berlin ist in der kollektiven Vorstellung die Stadt des „Möglichen“ geblieben, wo alles erlaubt ist und Transgression an der Tagesordnung steht. Was sicherlich, zumindest teilweise, immer noch stimmt. Was nicht mehr stimmt, ist die Tatsache, dass es das Schlaraffenland ist. Ganz im Gegenteil… Nichtsdestotrotz bleibt es aus den oben genannten Gründen ein unwiderstehlicher Anziehungspunkt für junge Menschen, die davon angezogen werden wie Bienen vom Honig, wobei sie Multikulturalismus (Multi-Kulti) mit Egalitarismus verwechseln. Es ist nicht wahr, dass wir alle gleich sind; wenn überhaupt, haben wir die gleichen Rechte, in einem Rechtsstaat, aber jeder mit seinen eigenen Merkmalen und Fähigkeiten, die uns zu einzigartigen und unwiederholbaren Individuen machen. Für diese Jugendlichen ist die offene Gesellschaft im Sinne Poppers ein weiteres Totem, ohne zu begreifen, dass Kosmopolitismus etwas ganz anderes ist als Gleichmacherei, und dass Unterschiede vielmehr bewahrt und nicht im Namen einer heuchlerischen Willkommenskultur (wie man in anderen Zeiten gesagt hätte) ausgelöscht werden sollten. Betrachtet man die offiziellen Statistiken, so ist der höchste Prozentsatz der Berliner Einwohner genau die Generation zwischen 25 und 45 Jahren, also genau die „Millennials“, von denen zu Beginn dieses langen Artikels die Rede war. Welches bessere soziale Experimentierfeld könnte man für jemanden finden, der die Beeinflussbarkeit, wenn nicht gar die Manipulierbarkeit, einer Jugendgruppe „testen“ möchte, die im Laufe der Zeit durch Botschaften sozialer Empathie und zivilgesellschaftlicher oder ökologischer Themen „sensibilisiert“ wurde? Und es ist ebenfalls kein Zufall, dass der größte Teil der Wählerschaft der Grünen genau aus dieser Altersgruppe stammt. Ein winziges separates Kapitel sind die in Deutschland, insbesondere in der Hauptstadt, anwesenden jungen Italiener. Ich enthalte mich eines Kommentars zu bestimmten Personen, die ich zwischen „Influencern“ und Nicht-Influencern nennen könnte, um gnädig den Mantel des Schweigens über Menschen zu breiten, die von einer ekelerregenden Besserwisserei, in ihren „Ideen“ widersprüchlich und von einer abgründigen Unwissenheit sind, sowohl im technischen Sinne des Wortes als auch darüber hinaus.
Anti-… irgendwas und Sardinen in Hülle und Fülle
Die Bewegung von Greta ist nicht die einzige, die die jüngeren Generationen in Bewegung gesetzt hat. Kürzlich gab es in Italien nämlich die der sogenannten „Sardinen“ (Sardine). „Spontan-gesteuert“ (spintaneamente – nein, das ist kein Rechtschreibfehler) entstanden, manifestierte sie sich als ein Hauch gegen den bösen Oger, den „Bocio“ (wie man in Rom sagt), den Antichristen der italienischen Politik, nämlich Matteo Salvini, ehemaliger Innenminister und politischer Führer der Lega. Hinweis an die Leser: Ich bin kein Anhänger der Lega, war es nie und werde es nie sein. Etwaige Polemiken oder Etiketten, die man mir anheften möchte (wie es bereits geschehen ist), würden daher den Kern der von mir aufgeworfenen Frage völlig verfehlen und sind reine Zeitverschwendung. Mein persönliches politisches Urteil über die betreffende Person, obwohl es ebenso negativ ausfällt wie gegenüber allen anderen bedeutenden politischen Führern unseres unglückseligen Landes, ist für diesen Diskurs nicht relevant. Das Thema sind nämlich nicht Salvini oder Meloni, sondern vielmehr die Ideen, die hinter denen stehen, die sie bekämpfen möchten. Nämlich das absolute Nichts. Ich persönlich glaube, dass diese „Bewegung“ und jene vier unbedeutenden Figürchen, die von unseren heimischen, der Macht schmeichelnden Medien ins Rampenlicht gerückt wurden, die Frucht einer internationalen Finanzelite sind. Einer Elite, die sehr wohl begriffen hat, dass die Parteien – insbesondere die PD –, die bisher sozusagen den Karren der als „linke“ Werte getarnten neoliberalen Botschaft gezogen haben, ein von jahrelangen wirtschaftlichen Schikanen und intellektuellen Betrügereien erschöpftes Volk nicht mehr so leicht hinters Licht führen können wie einst. Der Magen hat keine Ohren, sagte Cato der Zensor. Wenn man den Bogen überspannt, riskiert man, dass er endgültig reißt. Und die Antiphon, die von den Parteien im Dienste des großen internationalen Kapitals gesungen wird, hat fast das Ende ihres Zyklus erreicht, nachdem auch der Bluff der Fünf Sterne (eine am runden Tisch geschaffene Partei, um die Wut der Menschen zu zügeln) ans Licht gekommen ist. Was ist also zu tun? Und hier ist das Kaninchen, das aus dem Hut des weisen Vaters des Vaterlandes (eines von vielen), Romano Prodi, gezaubert wurde – dem Architekten, der zweimal Berlusconis Niederlage herbeiführte (des anderen „Bocio“, der in der Vergangenheit von der besagten „linken“ Partei besiegt wurde). Wenn die Parteien keine Zugkraft mehr haben, setzen wir auf die Jugend als Zugpferd. Et voilà, da werden vier Dreißigjährige hervorgeholt, angeführt von Mattia Santori, von bösen Zungen „Locken mit Nichts darunter“ genannt. Diese haben sich anlässlich der letzten Regionalwahlen, allen voran jener der letzten PD-Hochburg, der Emilia Romagna, mächtig ins Zeug gelegt, um ein eingeschlafenes „linkes“ Volk zusammenzutrommeln, das von den kaputten Parteisirenen kaum noch angezogen zu sein scheint (eine weitere Generation von 30- bis 50-Jährigen, die eigens dafür herangezogen wurde, um den Platz der alten PCI-Führung einzunehmen, die mittlerweile nur noch eine sehr blasse Erinnerung von wenigen ist). Es wurde eine unglaubliche Medienkampagne von unseren gefälligen Medien gefahren. Die Vier Apokalyptischen Reiter wurden überall eingeladen, als wären sie große Politikexperten, nur um dann unglaubliche Ausrutscher zu begehen, wie das berühmte Foto mit Luciano Benetton und Oliviero Toscani. Fast in Vergessenheit geraten, wurden sie kürzlich – welch ein Zufall – von Lilli Gruber in einer Folge von Otto e mezzo wieder ausgegraben. Man bereitet sich auf die Zeit nach dem Coronavirus vor. Es wird nötig sein, angesichts der vor allem wirtschaftlichen Entwicklung, die unser Land nach den gelinde gesagt unheilvollen Entscheidungen der derzeitigen Regierung von „Giuseppi“ nimmt. Eine kleine Perle von Santori war die tolle Idee einer „horizontalen Vermögenssteuer, garantiert durch die Regierung“. Das heißt so viel wie: Wenig Ideen, aber diese dafür konfus. Die Idee einer Vermögenssteuer wurde jedoch auch von einem anderen Paladin des neuen „linken“ Denkens wieder hervorgeholt, nämlich von dem Genie der italienischen Gastro-Philosophie Oskar Farinetti (einem großen Freund des líder máximo Matteo Renzi, der mittlerweile an Zustimmung verliert, aber ein großer politischer Stratege ist). Zusammenfassend: Sie haben Individuen mit fragiler Psyche geschmiedet (viele Jugendliche sind gezwungen, auf psychotherapeutische Behandlung zurückzugreifen), die wenig daran gewöhnt sind, die Realität zu hinterfragen, und denen man ein Handy in die Hand gedrückt hat (um ehrlich zu sein, hat man es uns allen in die Hand gedrückt), über das sie täglich Impulse senden, die sie in bestimmte Richtungen lenken. Ein gigantischer Test von pawlowscher Dimension. Kurzum, ein schönes Bild, das sich aus einer Untersuchung der Generation ergibt, die unsere Welt in dieser Zeit der Pandemien – ob fingiert oder nicht – führen soll. Die Lanze, von der ich anfangs sagte, ich wolle sie für diese Jugendlichen brechen, richtet sich in der Tat nicht an die Mehrheit. Wenn überhaupt, richtet sie sich an eine kleine Minderheit, die Teil davon ist und die sich zumindest ein wenig bemüht, die sie umgebende Realität zu verstehen, abseits des vorgekauten Hochamts und der vorgefertigten Fertiggerichte, die man ihr serviert hat. Sie versucht es, auch wenn sie oft (aber nicht immer) nicht über alle geeigneten kulturellen Mittel verfügt. Es sind Menschen, die sich zumindest anstrengen, über das Offensichtliche hinauszublicken, und die sich nicht mit dem Mainstream-Narrativ und dem entsprechenden Bombardement, dem sie täglich ausgesetzt sind, zufrieden geben. Sie sind neugierig, sie suchen. Auch danach, die andere Seite des Mondes zu sehen. Sie sind die einzige Hoffnung, die uns noch bleibt.